Viele Debatten über Arbeit kreisen um Motivation, Belastung oder Anspruchshaltung.

„Wir müssen wieder mehr arbeiten.“

„Die Generation XYZ ist einfach zu verwöhnt und faul!“

„Die Leute haben einfach das falsche Mindset.“


Alles Unsinn! Als läge dieses weitverbreitete Problem alleine an einer individuellen Charakterschwäche einzelner Menschen…

Was ich seit langer Zeit in vielen Organisationen beobachte, ist ganz eindeutig etwas anderes:

Verhalten, das in Organisationen gelernt wurde und dort täglich zementiert wird.

Menschen kommen selten „vermeidend“ oder „entscheidungsunwillig“ zur Arbeit. Sie erlernen dieses Verhalten im Unternehmen und passen sich täglich an:

Sie lernen, dass Sie angeblich Initiative zeigen sollen, aber tatsächlich Irrtümer sanktioniert werden.

Sie lernen, dass an eine offene Fehlerkultur appelliert wird, aber es tatsächlich besser ist, wenn man Fehler verschweigt und vertuscht.

Das erzeugt einen Widerspruch, der auf Dauer zermürbt.

Sie sollen mitdenken, aber nicht mitentscheiden.

Sie sollen Verantwortung übernehmen, aber nur innerhalb sehr enger Vorgaben.

Dieses Lernen passiert nicht in Trainings, es passiert im Alltag. Durch Reaktionen. Durch Schweigen. Durch Sanktionen. Durch Belohnung.

So stabilisieren Organisationen genau das Verhalten, über das sie sich später beklagen.

Unter diesen Bedingungen entsteht kein Gestaltungswille, sondern Vorsicht. Kein Engagement, sondern Absicherung. Keine Faulheit, sondern Anpassung.

Ganz wichtig dabei: Das ist eben kein individuelles Versagen und kein Generationenproblem. Es ist schlicht die logische Folge von Rahmenbedingungen, die widersprüchliche Erwartungen erzeugen.

Verhalten lässt sich wieder verlernen.

Aber nicht durch Appelle, Culture–Change–Initiativen oder indem man Werte-Poster an die Wände hängt. Sondern nur dann, wenn sich die Bedingungen ändern, unter denen entschieden, geirrt und Verantwortung übernommen wird.

Wer also verstehen will, warum Menschen „Dienst nach Vorschrift“ machen, sollte weniger über persönliche Eigenschaften sprechen und mehr über Denkmodelle, Macht und Führung.