Warum emotionale Reife kein Kriterium für formelle Macht ist und die Konsequenz daraus

Das klassisches Bild der Karriereleiter

Der beste Verkäufer wird Vertriebsleiter – obwohl er das Team demotiviert.

Der brillanteste Ingenieur leitet die Entwicklung – obwohl seine Art, Kritik abzuwehren, Innovation erstickt.

Firmen bevorzugen systematisch ein „fachliches Arschloch“ (excuse my french) statt eine emotional reife Führungspersönlichkeit, auch bei Neueinstellungen.

Fachliche Exzellenz und Führungsqualität fallen nicht automatisch zusammen

Diese weitverbreitete implizite Annahme ist schlicht falsch. Ein Mensch kann technisch top sein und trotzdem zwischenmenschlich mehr Schaden als Nutzen erzeugen.

Die fehlende psychologische Sicherheit führt zu Stillstand und Frustration und das kostet Innovation und Motivation. Am Ende leiden alle: Das Team, die Kunden und das Unternehmen.

Wie Lebensläufe beurteilt werden

50-Millionen hier, 35% dort, 10-Jahre jenes… für eine authentische Führungskraft fühlt sich das oft an wie Prahlerei:

Hat da wirklich eine einzelne Person ein 50-Mio. Projekt gestemmt oder 35% Effizienz geholt? Oder war es nicht viel mehr das Zusammenspiel des ganzen Teams, was letztlich den Unterschied gemacht hat? Und was sagt eigentlich die Dauer einer Tätigkeit über die Qualität aus?

Ich, ich, ich oder WIR – gemeinsam

Eingestellt werden meist die lautesten Fachleute, nicht die emphatischsten Team-Player und bei Beförderungen ist es genau das gleiche Spiel. Das Ergebnis? Vorgesetzte, die zwar Experten sind, aber keine Führungskräfte.

Die Abteilung funktioniert dann meist nicht wegen, sondern trotz dieser Person.

Wenn das so klar ist, warum passiert es dann?

Steuerung ist einfacher: Regeln und Hierarchien geben (scheinbare) Sicherheit. Führung dagegen verlangt, Macht loszulassen und das fühlt sich riskant an.

Steuerung braucht Macht (Regeln, Hierarchie, Kontrolle) und der Machterhalt ist auf Lautstärke und machterhaltende Rituale angewiesen – dass ist sichtbar.

Führung hingegen braucht Ansehen (Vertrauen, freiwillige Folge, Resonanz) und das entsteht nicht durch Titel, Rituale oder Lautstärke sondern durch wirksame Handlung – dass ist beinahe unsichtbar.

Was Unternehmen besser machen können

Emotionale Reife ist kein Luxus, sondern eine essentielle Eigenschaft, die man fördern muss.

Die Frage darf also nicht sein: „Wer hat die beste fachliche Qualifikation?“

Sondern: „Wer hat die Fähigkeit ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen über sich hinauswachsen können – individuell und als Team?“